Demografie

Globalisierung

Deutsche: Mehr Risiken als Chancen

Das Institut IfD Allensbach bietet Ergebnisse einer Befragung zum Thema Globalisierung (Bevölkerungs-Umfrage ab 16 Jahren) an. Hauptergebnis: Die Deutschen sind in Sachen Globalisierung nicht nur zögerlich, sie sehen noch immer mehr Risiken und Nachteile als Chancen in dieser Entwicklung - und das, obwohl das Land als weltweit führende Exportnation durch die Globalisierung deutlich profitiert. Situation: Fast jeder zweite (47 Prozent) sieht im Prozess der Globalisierung mehr Risiken, nur 20 Prozent sehen die Chancen, die damit verbunden sind.

Ende der 90er Jahre wurden Chancen und Risiken in der Bevölkerung noch als etwa gleich gross gesehen: 23 Prozent Optimisten, 25 Prozent Globalisierungs-Gegner. Problem: Damals hatten nur 62 Prozent der Deutschen eine ungefähre Vorstellung davon, was mit dem Begriff Globalisierung gemeint war. Heute haben immerhin 88 Prozent eine Vorstellung davon im Kopf. Nur laufen diese Bilder alles in allem auf eine negative Zukunftsperspektive durch Globalisierung für Deutschland hinaus.

Wesentlicher Grund dafür ist die Vorstellung, dass Globalisierung vor allem Verlagerung von Arbeitsplätzen bedeute und damit auch den Verlust von Arbeitsplätzen (61 Prozent). Zum Vergleich: Im Jahr 1998 glaubten nur 48 Prozent der Deutschen, dass Globalisierung einen Verlust von Arbeitsplätzen bedeuten werde. Eine Gefährdung des sozialen Netzes sahen im gleichen Jahr 43 Prozent, derzeit sind es 54 Prozent. Damals gab es auch noch die Vorstellung (49 Prozent, also bei fast der Hälfte aller Deutschen), dass die Globalisierung die heimische Wirtschaft ankurbeln werde. Heute glauben das nur noch 28 Prozent.

Bestenfalls die Wohlhabenden (Menschen mit viel Kapital) der deutschen Bevölkerung, so die Meinung im Lande, werden Vorteile von der Globalisierung haben (49 Prozent). Und: Glaubten in 1998 noch 70 Prozent der Deutschen, die Globalisierung werde weltweit zu einer besseren Verständigung der Länder und Bevölkerungen führen, glauben das heute nur noch 48 Prozent. Auch mit der beruflichen Weiterentwicklung wollen viele (52 Prozent) die Globalisierung nicht mehr in Verbindung bringen.

Und die Hoffnung, dass es dadurch weniger Kriege geben werde, beträgt gerade mal 28 Prozent. Und weniger Unterdrückung in der Welt schreiben gerade mal 13 Prozent der befragten Deutschen einer zunehmenden Globalisierung zu. Zuständig für weitergehende Informationen ist Dr. Edgar Piel, Telefon 07533 805118, e-mail: epiel@ifd-allensbach.de. Internet: www.ifd-allensbach.de (wahl-und-forschung).

Kinderarmut in Deutschland

Bundesrepublik: Wer das Geld hat und wer nicht

Neue jetzt in Berlin veröffentlichte Zahlen zeigen ein erschreckendes Bild zur finanziellen Situation besonders von Kindern in Deutschland: 5,9 Millionen Kinder haben Eltern mit einem Jahreseinkommen von unter 15.300 Euro (1.275,00 Euro pro Monat). Dies teilt die Bundesregierung in ihrer Antwort (16/2213) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (16/1459) mit. Aus dieser Antwort geht auch hervor, dass von den 38,11 Millionen Haushalten in Deutschland im Jahre 2003 7,66 Millionen ein monatliches Nettoeinkommen zwischen 2.500 und 3.500 Euro hatten (nachfolgend Ergebnisse jeweils in circa-Werten):

6,11 Millionen Haushalte konnten über 3.500 bis 5.000 Euro verfügen, um 5,97 Millionen Haushalte über 1.000 bis 1.500 Euro, 5,3 Millionen Haushalte über 1.500 bis 2.000 Euro, 4,71 Millionen Haushalte über 2.000 bis 2.500 Euro, ca. 4,25 Millionen Haushalt über 5.000 bis 15.000 Euro. Aber: 4,07 Millionen Haushalte verfügten über weniger als 1.000 Euro im Monat. Im Gegensatz dazu hatten 57.000 Haushalte über 15.000 bis 18.000 Euro monatlich zur Verfügung. Gut zu wissen für weitere Reichen- und Neid-Diskussionen im Lande: Es sind damit gerade mal 0,14 Prozent der Bevölkerung, die über ein Haushaltsnetto-Einkommen zwischen 15.000 und 18.000 Euro verfügen.

Von den 2,59 Millionen Haushalten, in denen ein Paar mit einem Kind lebte, hatten ca. 849.000 ein monatliches Nettoeinkommen von 2.500 bis 3.500 Euro, um 648.000 von 3.500 bis 5.000 Euro, ca. 348.000 von 5.000 bis 15.000 Euro, rund 340.000 von 2.000 bis 2.500 Euro, rund 242.000 von 1.500 bis 2.000 Euro und rund 143.000 von 1.000 bis 1.500 Euro.

Von den rund 2,89 Millionen Haushalten, in denen ein Paar mit zwei Kindern lebte, verfügten rund eine Million über monatlich netto zwischen 3.500 und 5.000 Euro, rund 877.000 Haushalte zwischen 2.500 und 3.500 Euro,
610.000 Haushalte zwischen 5.000 und 15.000 Euro, 251.000 Haushalte zwischen 3.000 und 3.500 Euro, 112.000 Haushalte zwischen 1.500 und 2.000 Euro und um 24.000 Haushalte zwischen 1.000 und 1.500 Euro.

Die ca. 820.000 Haushalte, in denen ein Paar mit drei Kindern lebte, hatten in 282.000 Fällen monatlich netto 3.500 bis 5.000 Euro, in 235.000 Fällen 5.000 bis 15.000 Euro, in 217.000 Fällen 2.500 bis 3.500 Euro, in 63.000 Fällen 2.000 bis 2.500 Euro und in ca. 20.000 Fällen 1.500 bis 2.000 Euro zur Verfügung.

Schließlich verteilten sich die ca. 916.000 Haushalte mit Alleinerziehenden und einem Kind so, dass 360.000 Haushalten monatlich netto zwischen 1.000 und 1.500 Euro, 202.000 Haushalte zwischen 1.500 und 2.000 Euro, 119.000 Haushalte weniger als 1.000 Euro, 115.000 Haushalte zwischen 2.000 und 2.500 Euro, 79.000 Haushalte zwischen 2.500 und 3.500 Euro, um 30.000 Haushalte 3.500 bis 5.000 Euro und ca. 11.000 Haushalte zwischen 5.000 und 15.000 Euro ausgeben konnten.

Die Zahlen für die ca. 367.000 Haushalte mit einem Alleinerziehenden und zwei Kindern sehen wie folgt aus: 106.000 von ihnen verfügten über 1.500 bis 2.000 Euro, 74.000 über 2.000 bis 2.500 Euro, ca. 73.000 über 1.000 bis 1.500 Euro, 69.000 über 2.500 bis 3.500 Euro und ca. 25.000 über 3.500 bis 5.000 Euro. Dass bei einem solchen sozialen Gefüge hochgebildete junge Frauen in Deutschland nicht wirklich heftig in die Mutterschaft streben, ist auf der Basis dieser Zahlen leicht nachzuvollziehen (wahl-und-forschung).

Berlin Institut: Demografische Lage der Nation

Bevölkerung: Deutschland auf Schrumpfkurs

Vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung kommt jetzt eine aktuelle Studien-Veröffentlichung zur demografischen Entwicklung in Deutschland. Hauptergebnisse: Landesweit findet man in der Bundesrepublik rückläufige Geburtenraten (besonders bei Akademikerinnen). Beispiel: Mitte der letzten Dekade erreichte die durchschnittliche Kinderzahl je Frau einen Tiefstand von 1,36 im statistischen Mittel. Folge: Da sich die Geburtenziffer seit über drei Jahrzehnten auf ähnlich niedrigem Niveau eingependelt hat, ist seither jede Kindergeneration um ein Drittel kleiner als die ihrer Eltern. Zuwanderungen aus dem Ausland konnten den Überschuss der Sterbefälle über die Geburten lange Zeit ausgleichen. Mittlerweile ist das aber vorbei und die deutsche Bevölkerung nimmt seitdem weiter ab, vor allem die Anzahl der unter 35jährigen schrumpft.

Bedenkliches Phänomen: Nach der Wende brach die Kinderzahl je Frau in Ostdeutschland auf 0,77 ein. In keinem anderen Land der Welt, so die Autoren der Studie Steffen Kröhnert, Franziska Medicus und Reiner Klingholz, wurden jemals so niedrige Werte registriert. Derzeit hat sich dieser Wert wieder erholt und liegt jetzt bei 1,30 Kinder je Frau im Osten. Was die Studie auch zeigt: Grössere Städte sind generell kinderarm, weil sie den Familien zu wenig geeigneten Entfaltungsraum bieten. Und: Die Niedersachsen sind Deutschlands kinderfreundlichstes Bundesland: Hier kommt der meiste Nachwuchs zur Welt (besonders im Kreis Cloppenburg, Vechta und Umland).

Verschenktes Potential: In Deutschland leben 7,3 Mio Personen mit ausländischem Pass und eine etwa gleich hohe Zahl an Eingebürgerten und deutschstämmigen Aussiedlern. Damit hat etwa jeder sechste Einwohner in Deutschland einen Migrations-Hintergrund. Wie schlecht die Ausländer in der BRD integriert sind, zeigt sich u.a. auch daran, dass sie mehr als doppelt so häufig von Arbeitslosen- oder Sozialhilfe abhängig sind wie Deutsche. Die Kinder der Zugewanderten sind an Hauptschulen mehr als doppelt so häufig zu finden, an Gymnasien aber nicht mal halb so oftt. Und 18 Prozent der Ausländerkinder bleiben in Deutschland ganz ohne Schulabschluss. Kröhnert/Medicus/Kingholz: Damit ist der Weg in die Arbeitslosigkeit fast vorbestimmt.

Und wer sich mit den Zuwanderungen bislang nicht so recht anfreunden konnte, für den ist vielleicht diese Zahl interessant: Ganz ohne Zustrom von aussen, so die Ergebnisse des Berlin-Instituts, würden bei gleich bleibend niedrigen Kinderzahlen im Jahr 2.100 in Deutschland nur noch 24 Millionen Menschen leben. Heute sind es 83 Millionen. Ähnlich dramatisch sind die Ergebnisse, die sich bei der Entwicklung der sozialen Systeme zeigen. Problem: Im Jahr 1900 erreichten gerade mal drei Prozent der Bevölkerung das damalige Renten-Eintrittsalter von 70 Jahren. Zur Zeit sind ca. 25 Prozent der Deutschen älter als 60 und haben damit die heute durchschnittliche Pensionsgrenze erreicht.

In 2020 ist damit zu rechnen, dass dann schon vier Millionen mehr Menschen als heute über 60 Jahre alt sind. Direkte Folge: Die Deutschen, die noch erwerbstätig sind, müssen immer mehr nicht mehr arbeitende Mitbürger im Wege der solidarischen Sozialsysteme mit finanzieren. Und schon heute stammen über 80 Milliarden Euro der ausgezahlten Renten (ein Drittel der Gesamtsumme) aus dem Staatshaushalt. Wenn ca. ab 2015 die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er Jahre ins Pensionsalter kommen, verhändert sich das Verhältnis von Renten-Einzahlern und Rentenempfängern von heute 2:1 in Richtung 1:1. Fazit von Krohnert/Medixus/Klingholz: Ein Rentensystem nach heutiger Vorstellung wird es dann nicht mehr geben.

Aber: Nicht für alle ist der Kinderschwund und der steigende Zuzug in die Ballungszentren in Deutschland ein Negativerlebnis. Im Gegenteil: Wenn man Wolf, Bär oder Luchs heisst, verspricht die Zukunft bessere Lebensbedingungen. Denn: Insbesondere in Gebieten, die bereits heute dünn besiedelt sind, finden Pflanzen und einst ausgewanderte Tiere wieder neue Lebensräume. So der Luchs, der sich in Harz, Eifel, Pfälzer Wald und im Bayerischen Wald wieder ansiedelt. Bruder Wolf ist sogar schon bald nach der Wende wieder nach Deutschland zurückgekehrt: Von Polen über die Neiße in die sächsische Lausitz kommend, finden sich mittlerweile wieder zwei Rudel mit ausreichend Nachwuchs auf deutschem Gebiet.

Die Ergebnisse der Studie "Die demografische Lage der Nation - Wie zukunftsfähig sind Deutschlands Regionen?" können beim Berlin Institut bestellt werden. ISBN-13: 978-3-423-34296-4, ISBN-10: 423-34296-X. E-Mail-Kontakt: info@berlin-institut.org . Internet: www.berlin-institut.org (Wahl-und-Forschung).